Abstract Indirekte DNA-Übertragungen und das „Activity Level“ in der Spureninterpretation

Veranstaltung im Rahmen des 46. Spurenworkshops der Universität Greifswald
26.02.2026 - 13:30

Die forensisch-molekularbiologische Begutachtung auf Aktivitätenebene (BAE) gewinnt angesichts zunehmender Sensitivität moderner DNA-Analysen stetig an Bedeutung. Ziel der Fortbildungsveranstaltung ist es, den aktuellen wissenschaftlichen und praktischen Stand zu vermitteln und den interdisziplinären Austausch zwischen Sachverständigen, Ermittlungsbehörden, Justiz und Verteidigung zu fördern. 

Zu Beginn wird aus der Perspektive eines Landeskriminalamts die dortige Praxis im Umgang mit Anfragen zur BAE erläutert. Anhand von Fallbeispielen werden typische Fragestellungen und mögliche Formulierungen (z.B. als Stellungnahmen oder im Rahmen der Gutachtenerstattung vor Gericht) vorgestellt und diskutiert. 

Im Anschluss erfolgt eine wissenschaftliche Einführung in die Grundlagen und Mechanismen des DNA-Transfers sowie eine Übersicht über die derzeit verfügbaren Leitlinien und Empfehlungen einschlägiger Fachgesellschaften. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Anwendung von Bayes’schen Netzwerken als Werkzeug zur Berechnung von Likelihood Ratios (LR) auf Aktivitätenebene. 

Abschließend werden die Erwartungen und Anforderungen an molekularbiologische Sachverständige aus juristischer Perspektive beleuchtet: Eine Richterin und ein Strafverteidiger skizzieren ihre jeweiligen Sichtweisen, Konzepte und Ansprüche an die forensische Argumentation und Darstellung in Gutachten und Hauptverhandlung. Dies beinhaltet auch einen Einblick in die Methodik der gerichtlichen Beweiswürdigung am Beispiel der Frage nach dem Tatbezug von DNA-Spuren.

Referent:innen: 

Martina Bogner  (Richterin am LG München)
Prof. Dr. Cornelius Courts (Rechtsmedizin Köln)
Kathrin Broderius (Rechtsmedizin Köln) 
Dr. Florian Melloh

Moderation: Dr. Stefanie Grethe  (Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz)